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Geschlechtskrankheiten durch Oralsex: Risiken erkennen & sich schützen

Oralsex gehört für viele Menschen zu einem erfüllten Sexualleben dazu. Doch während die meisten an Schutzmaßnahmen beim vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr denken, wird das Übertragungsrisiko bei Oralverkehr häufig unterschätzt. Tatsächlich können zahlreiche Geschlechtskrankheiten auch oral übertragen werden, sowohl beim Lecken als auch beim oralen Kontakt mit dem Penis. Die Ansteckung erfolgt dabei über den Kontakt mit infizierten Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten. Viele sexuell übertragbare Infektionen verlaufen zunächst ohne Symptome und bleiben daher unbemerkt, was das Risiko einer unbewussten Weitergabe erhöht. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Geschlechtskrankheiten oral übertragbar sind, wie hoch das Risiko tatsächlich ist und welche Schutzmaßnahmen dich und deine Partnerin oder deinen Partner wirksam schützen können.

Welche Geschlechtskrankheiten werden oral übertragen?

Sexuell übertragbare Infektionen können durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Die Ansteckung erfolgt meist über den Kontakt mit infizierten Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten.

Dies sind die häufigsten oral übertragbaren Geschlechtskrankheiten:

  • Chlamydien: Diese bakterielle Infektion gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Infektionen verlaufen bei 50 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen ohne Symptome und werden deshalb leicht übersehen. Bei Oralverkehr können Chlamydien den Rachen befallen und dort eine Infektion auslösen.
  • Gonorrhö (Tripper): Die Gonorrhö ist die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland, mit circa 30.000 Fällen pro Jahr. Diese bakterielle Infektion kann die Harnröhre, den Gebärmutterhals, den Anus oder den Rachen betreffen. Die Erkrankung ist sehr ansteckend und kann auch auf andere Organe übertragen werden, wie Mund, Anus oder Augen.
  • Syphilis: Diese Infektion wird durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht. Die Zahl der Syphilis-Fälle ist in den letzten Jahren in Deutschland gestiegen. Eine nicht behandelte Syphilis kann in weitere Stadien übergehen, die nach Jahren erhebliche Organschäden nach sich ziehen können. Auch beim Oralverkehr ist eine Übertragung möglich.
  • Humanes Papillomavirus (HPV): HPV-Infektionen sind sehr verbreitet und können zu Genitalwarzen führen. Einige HPV-Stämme können auch Krebs verursachen, darunter Gebärmutterhals-, Anus- und Peniskrebs. Beim Oralverkehr kann HPV auf den Mund- und Rachenraum übertragen werden.
  • Herpes genitalis: Herpes wird durch das Herpes-simplex-Virus verursacht und kann Aphten oder Geschwüre im Genitalbereich verursachen. Die Viren können beim Oralverkehr zwischen Genital- und Mundbereich übertragen werden.
  • Hepatitis B: Das Hepatitis-B-Virus (HBV) gehört zu den Viren, die sexuell übertragen werden können. Eine Ansteckung über Oralverkehr ist möglich, wenn infizierte Körperflüssigkeiten mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommen.
  • HIV: Das Humane Immundefizienz-Virus kann ebenfalls sexuell übertragen werden. Das Risiko, sich über Oralsex mit HIV anzustecken, ist zwar gering, aber dennoch vorhanden.

Wie hoch ist das Risiko, sich damit beim Oralverkehr anzustecken?

Das Übertragungsrisiko variiert je nach Erreger und Infektionsort. Grundsätzlich gilt: Beim Oralverkehr besteht ein reales Ansteckungsrisiko, auch wenn es bei manchen Erregern geringer ausfällt als beim vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr. So ist beispielsweise das Risiko, sich über Oralsex mit HIV anzustecken, gering. Dennoch ist eine Übertragung möglich, weshalb Schutzmaßnahmen nicht vernachlässigt werden sollten. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die Art des Erregers, die Viruslast oder Bakterienmenge der infizierten Person sowie der Zustand der Schleimhäute. Kleine Verletzungen im Mund- oder Rachenraum, etwa durch Zahnfleischbluten oder Aphten, erhöhen das Infektionsrisiko deutlich. Auch die Rolle beim Oralverkehr spielt keine Rolle: Sowohl die aktive als auch die passive Person können sich anstecken. Bei bakteriellen Infektionen wie Gonorrhö oder Chlamydien ist die Übertragung in beide Richtungen möglich. 

Besonders tückisch ist, dass viele Infektionen zunächst keine Symptome verursachen. Daher macht ein regelmäßiger Test auf Geschlechtskrankheiten und/oder HPV Sinn, um deine Gesundheit zu schützen.

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Symptome erkennen: Wann solltest du aufmerksam werden?

So vielfältig wie die Erreger, so vielfältig können auch die Symptome einer sexuell übertragbaren Infektion sein. Bei oral übertragenen Geschlechtskrankheiten treten die Beschwerden häufig im Mund- und Rachenbereich auf, werden aber oft mit harmlosen Erkältungssymptomen verwechselt. Folgende Anzeichen können auf eine oral übertragene Infektion hindeuten:

  • Halsschmerzen: Anhaltende oder wiederkehrende Halsschmerzen können auf eine sexuell übertragbare Infektion hindeuten. Besonders bei Gonorrhö oder Chlamydien im Rachenraum sind Halsschmerzen ein häufiges Symptom.
  • Rötungen und Schwellungen: Entzündungen im Mund- oder Rachenbereich, gerötete Schleimhäute oder geschwollene Lymphknoten im Halsbereich können Warnsignale sein.
  • Bläschen oder Geschwüre: Bei Herpes-Infektionen können schmerzhafte Bläschen oder Geschwüre im Mund- und Lippenbereich auftreten.
  • Ausfluss: Ein ungewöhnlicher Ausfluss aus Vagina, Penis oder Anus, der auch unangenehm riechen kann, deutet auf eine sexuell übertragbare Infektion hin.
  • Brennen beim Wasserlassen: Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen können Symptome einer sexuell übertragbaren Infektion sein.
  • Allgemeine Krankheitszeichen: Daneben können auch allgemeine Krankheitszeichen wie ständige Müdigkeit, Fieber oder Appetitlosigkeit auf eine sexuell übertragbare Infektion hindeuten.

Wichtig zu wissen: Nicht selten bestehen auch gar keine Krankheitszeichen. Daher sollte bei jeglichem Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung und verhindert mögliche Spätfolgen.

So schützt du dich beim Oralverkehr vor Geschlechtskrankheiten

Effektiver Schutz ist möglich und reduziert das Risiko einer Ansteckung deutlich. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen kannst du dich und deine Partnerin oder deinen Partner wirksam schützen.

Barrieremethoden beim Oralverkehr

  • Kondome verwenden: Kondome können vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen. Bei korrekter Verwendung haben Kondome eine typische Verwendungssicherheit von etwa 85 bis 98 Prozent. Beim Oralverkehr mit dem Penis sollte ein Kondom verwendet werden.
  • Lecktücher nutzen: Beim Lecken der Vulva oder des Anus bieten sogenannte Lecktücher (Dental Dams) einen wirksamen Schutz. Diese dünnen Latextücher werden über den Genitalbereich gelegt und verhindern den direkten Kontakt mit Schleimhäuten.

Hygiene und Vorsichtsmaßnahmen

Vor Oralverkehr sollte eine desinfizierende Mundspüllösung verwendet werden. Nach dem Geschlechtsverkehr sollte man sich zeitnah im Genitalbereich waschen. Wichtig ist jedoch: Übertriebene Genitalhygiene ist kontraproduktiv, da damit der Schutzfilm der Schleimhaut entfernt wird und man damit anfälliger für Infektionskrankheiten wird. Achte auf kleine Verletzungen im Mund- oder Genitalbereich. Zahnfleischbluten, Aphten oder Herpesbläschen erhöhen das Übertragungsrisiko erheblich. Bei solchen Verletzungen sollte auf Oralverkehr verzichtet werden.

Impfungen als präventive Maßnahme

Gegen einzelne Erreger wie das Hepatitis-B-Virus und HPV stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Impfungen gegen HPV werden allen jungen Menschen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Dies senkt das Risiko für spätere Infektionen mit HPV und verhindert die Übertragung auf die Partnerin, bei der HPV-Infektionen zum Muttermundkrebs führen können.

Wann ist ein Test auf Geschlechtskrankheiten sinnvoll?

Regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen sind ein wichtiger Bestandteil der sexuellen Gesundheitsvorsorge. Bei Verdacht auf eine orale Infektion kann ein Rachenabstrich durchgeführt werden. Ein Test ist besonders in folgenden Situationen empfehlenswert:

  • Nach ungeschütztem Oralverkehr: Wenn du ungeschützten Oralverkehr hattest, solltest du dich testen lassen, auch wenn keine Symptome auftreten.
  • Bei wechselnden Sexualpartnerinnen oder Sexualpartnern: Regelmäßige Tests sind wichtig, wenn du mehrere Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner hast.
  • Vor einer neuen Partnerschaft: Ein Test zu Beginn einer neuen Beziehung schafft Sicherheit für beide Seiten.
  • Bei Symptomen: Bei jeglichem Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Die Behandlung von Geschlechtskrankheiten erfolgt gezielt, wobei ein Erregernachweis Voraussetzung ist, um das richtige Medikament zu wählen.
  • Regelmäßige Vorsorge: Die urologische Vorsorge umfasst auch die Überprüfung auf sexuell übertragbare Infektionen sowie die Beratung zu sexueller Funktionsfähigkeit. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können dazu beitragen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

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Fazit: Informiert bleiben & verantwortungsvoll handeln

Geschlechtskrankheiten durch Oralsex sind ein reales Risiko, das nicht unterschätzt werden sollte. Viele sexuell übertragbare Infektionen können beim Oralverkehr übertragen werden, darunter Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, HPV, Herpes und Hepatitis B. Wenn sexuell übertragbare Infektionen frühzeitig erkannt werden, lassen sie sich in der Regel gut behandeln. Für die Behandlung von Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien ist in der Regel eine orale Therapie über drei bis zehn Tage ausreichend. Bei schwereren bakteriellen Infektionen wie Gonorrhö oder Syphilis sind hochdosierte Antibiotika erforderlich. Bei Viruserkrankungen wie Herpes oder HPV ist eine lokale Behandlung mit Cremes oder Lotionen, manchmal auch in Kombination mit einem oralen Präparat erforderlich.

Der beste Schutz ist Prävention: Kondome und Lecktücher bieten wirksamen Schutz beim Oralverkehr. Auch eine gute Mundhygiene und das Vermeiden von Oralverkehr bei Verletzungen im Mund- oder Genitalbereich reduzieren das Ansteckungsrisiko. Regelmäßige Tests schaffen Sicherheit und ermöglichen eine frühzeitige Behandlung, bevor Spätfolgen entstehen. Offene Kommunikation mit deiner Partnerin oder deinem Partner über sexuelle Gesundheit ist dabei ebenso wichtig wie verantwortungsvolles Handeln.

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